Translate

Mittwoch, 28. Mai 2014

Enkhuizen – wir lagen wir bei Starkwind im Buitenhaven - hat uns so begeistert, dass wir auf unseren Wegen durch die Gassen entlang der alten Häuser und Grachten an jeder Ecke Fotos schießen mussten. Herrlich war die pralle Sonne und das junge, helle Grün der Allee auf dem Deich rund um das Hafenbecken.


                                          Käse!


                                          Spundwände werden gerammt.



Auf dem Weg nach Amsterdam – nur motoren und voll gegenan – versagt der Plotter: Die Karte ist nach wie vor auf dem Display, jedoch werden weder die Koordinaten noch die Fahrt über Grund angezeigt.
Oh Schreck.
Gut dass wir genaue Papierseekarten haben.


Paul telefoniert mit Plotterexperten und die bestätigen ihm, dass sein ´reset` den Plotter wieder in Ordnung gebracht haben müsste. Er funktioniert jetzt wieder!

In Amsterdam angekommen trifft auch bald Freund Heiner ein; ein mit allen Wassern gewaschener fünffacher Atlantiküberquerer. Die selbstgebackene Apfeltarte schmeckt zwar gut, hält aber nicht lange vor und so verschlägt es uns gemeinsam ans andere Ufer des Noordzee Kanaals in die Amsterdamer Stadtmitte in ein leckeres indonesisches Restaurant. Paul und ich stellen trotz intensiver Vorbereitung auf diesen Törn (TO-Blauwasserseminar,´Medizin an Bord`, das Logbuch meines Vaters und jahrzehntelange Beschäftigung mit Thema Weltumsegelung; und natürlich hat jeder von uns Beiden mehr als 30 Jahre Skippererfahrung) gerne wieder viele Fragen und wir wissen, Heiners Antworten haben Hand und Fuß. Er gibt uns bereitwillig Auskunft über alles: Ob über seine Erfahrungen mit Winden in der Biskaya, auf dem Atlantik bei der Überquerung, über Verproviantierung, Liegeplätze auf den Kanaren, Überwinterung in der Karibik, die Segelreviere der Kleinen und Großen Antillen und andere Reviere in der Karibik, Segelführung vor Passatwinden, Elektrik an Bord, Angeln von Bord, … Heiner ist für jedes Thema Spezialist und seine ruhige Art angesichts dieses spannenden Sujets ist wohltuend. Und da dieses schier unbegrenzt ist, wird der Abend lang und die Weinflasche leer.

Nach Heiners Abfahrt nach dem späten Frühstück am nächsten Morgen treten wir eine Grachtenrundfahrt durch Amsterdam an und der überwältigende Eindruck von der Vielfalt, Schönheit und von dem guten Zustand der alten Häuser verstärkt sich am nächsten Tag, als wir uns per Rad gemächlich durch die Stadt treiben lassen. Hier radelt alles. Es geht beschaulich und harmonisch zu. Mal ein nettes Ping von einer Fahrradklingel aber keine hektische Klingelei, kein aggressives Hupen von genervten Autofahrern. Die Fahrspuren sind schön getrennt, die Radwege breit, die RadlerInnen halten diszipliniert die Regeln ein. Wir haben z. B. kein Überqueren bei Rot oder quer über Kreuzungen gesehen. Wie machen die Niederländer das bloß? Also wie kommt es, dass sie verkehrstechnisch so cool sind, so gut „erzogen“?
Ganz sicher ist das hier ein Tagesphänomen. Es liegt es an der Wärme und der Sonne. Alle sind gut drauf. Es ist Wochenende.

                                          Im Hintergrund eine 3-stöckige Fahrradparkanlage

                                          Grillparty unterwegs in den Grachten. Die Würstchen sind auf dem Grill am                                                    Heck.



Des weiteren besuchen wir das nach seiner Renovierung im letzten Jahr wieder eröffnete Rijksmuseum mit seinen mehr als 8000 Ausstellungsstücken. Berühmte Bilder von Rembrandt, Vermeer, Steen, van Gogh ... ziehen viele Menschen magisch an. Das 17. Jahrhundert ist insgesamt ein Goldenes Zeitalter. Auch die 3 inneren Grachtenringe mit den prächtigen Häusern der Wohlhabenden wurden in dieser Zeit gebaut.Den Reichtum, Luxus und die Lebensweise der Kaufmannsschicht des 17. Jahrhunderts können wir im Haus/ Museum der Familie Willet-Holthuysen mit seinem großen französischen Garten hinten hinaus bestaunen. So gewinnen wir einen Eindruck von diesem Goldenen Jahrhundert in Amsterdam. Vier Tage reichen natürlich nicht für Amsterdam. Wir kommen wieder. Das wissen wir.






Inzwischen bewährt sich die Kuchenbude (Zelt über dem Cockpit) gut, denn es regnet.

Die vor 9 Tagen im Internet bestellten ´Kohlen` für die Selbststeueranlage werden bis heute allerdings nicht geliefert. Trotzdem legen wir ab und kommen schon 2 Stunden später bei Dauernieselregen und 13 Grad in Fleece-Mützen, Fleece-Jacken, Fleece-Hosen und Fleece-Socken in Ijmuiden an.
Das Nachtanken zeigt einen Verbrauch von 3 Litern/ Std. an.

Die nächsten Tage werden wir östliche und nördliche Winde ohne Regen haben. Kaum zu glauben. Wieder werden wir den günstigen Ostwind mitnehmen und bei sehr langen Schlägen viel Raum nach Westen gewinnen. Vielleicht in einer Woche bis zur Isle of Wight.


Mittwoch, 21. Mai 2014

Von Cuxhaven segeln wir über Helgoland ...



... nach Spiekeroog, das uns mit seinen blühenden Kastanienbäumen und Rhododendrons, seinen schönen alten Häusern, dem Wellness-/ Schwimmbadbereich und der gepflegten, nicht allzu geordneten Atmosphäre beeindruckt. Die Wucht der Gezeiten minimiert "man suutjes" Bedeutung.
Wir bleiben einen Tag und genießen. Die Ruhe, die Langsamkeit, die heitere Gelassenheit der Insel. Wie würde Autofreiheit die Welt verändern.





Der Sonnenaufgang wattiert das Ablegen nach Borkum in hellblau und rosa Stille...



... Für Paul ein Grund, auch am nächsten Tag früh abzulegen - nach Vlieland. Dieses Mal lasse ich mich in der warmen, herrlich schaukelnden Koje liegen und lese noch ein bisschen.



Da der Wind uns mit seiner Ostrichtung verwöhnt, ergreifen wir die Gelegenheit und machen wieder einen großen Schlag nach Westen. 15 Stunden Segeln von Borkum nach Vlieland. Dafür bleiben wir auch hier einen Tag.
Natürlich stehen wieder Reparaturen an.


Wir laufen und schauen uns die Insel an.





20. Mai. Anbaden. Warme 14 -15 Grad.





Mittwoch, 14. Mai 2014

Vorgestern  und gestern sind wir durch den Nord-Ostsee-Kanal motort, respektvoll am Rand, wenn dicke Schiffe uns überholten oder entgegen kamen.


Ganz allein in der Schleuse





Gestern motorten wir außerdem auch noch nach Cuxhaven, nicht die Stadt unserer Träume, aber gut gelegen.

Heidelbergfans auf Zypern?


Es war sehr windig (direkt von vorne) und wellig und Paul am Ruder wurde in der Kälte wiederholt Opfer von Gischt und Spritzwasser, während ich gemütlich unter der Sprayhood saß und mit dem Fernglas nach Tonnen Ausschau hielt. Die traditionelle weibliche Rolle - ich reichte mal einen warmen Tee, mal ein bisschen Quarkstollen oder putzte Pauls Brille - ist überaus angenehm. In Cuxhaven angekommen überholte mich dann aber doch mein Mitgefühl und ich bot ihm an, die Zeiten des Rudergehens in Zukunft wieder brüderlich und gerecht zu teilen. (Hm. War vielleicht voreilig.)

Morgen geht es vielleicht nach Spiekeroog.

Aber hoppla. Da sitzt ja schon wieder einer ins der Backskiste. Etwas zu reparieren?


Das Handbuch wird studiert.

Und noch einmal mit Schraubendreher, Crimpzange, Lötkolben und diversen Dingen in die Backskiste. Was musste denn repariert werden? Das verraten wir euch eventuell später.

Do you know this?
Was ist Segeln?“ Antworten auf diese Frage haben meistens etwas mit wunderschönen Ankerplätzen, interessanten Begegnungen, anderen Kulturen, Freiheitsgefühlen beim Durchkreuzen der Meere usw zu tun. Oft werden auch bestandene Abenteuer mit Wind und Welle genannt. Nicht selten allerdings trifft auch folgende Antwort zu:
Segeln ist, sich an Bord eines Schiffes an den schönsten Ankerplätzen dieser Welt, inmitten traumhafter Natur und auf klarem Wasser - durch die Technik des Bootes zu reparieren.“


Montag, 12. Mai 2014

Seit vorgestern sind wir unterwegs. Endlich. Seit Ende Februar am Organisieren, Reparieren, Besorgen, Überprüfen, Neuinstallieren, … haben wir es endlich geschafft. Wir legen ab wie ursprünglich geplant: Am 10. Mai. Am 9. Mai ging natürlich bei Ein-oder Ausbau der Gasflasche die Gasleitung kaputt. Klaro. Selbst Paul – generell Optimist und dauernd mit der Devise “man suutje“ unterwegs - sah für unser Timing schwarz, aber mit nachbarlicher Hilfe ging alles schneller als befürchtet. Jedoch glauben Paul und ich, dass die klare Terminierung unserer Abfahrt uns sehr geholfen hat. Ohne sie wären wir wohl noch in Flensburg. Wir hätten ein anderes Tempo hingelegt; wir hätten noch dies und das erledigt (das Erledigen ist auf einem Boot NIE beendet; es gibt immer wieder etwas).
Nun sind wir beide richtig froh segeln zu können. Weder Nieselregen noch niedrige Temperaturen (zur Zeit 10 – 12 Grad) können uns erschüttern und weil wir ganz heiß auf Wasser, Weite, Wellen und Horizont sind, lässt uns auch kein kurzer Schauer das einmal begonnene Ablegen verschieben. Weg, weiter, raus aus dem Hafen.

Nun lassen wir mal die Fotos sprechen:



Unsere Bleibe bei Jens, während das Boot Baustelle war.




Um Holnis an der wunderschönen Flensburger Förde.





Winke winke, … das berührt uns sehr. Wir gehen ja wirklich auf große Fahrt. Es wird ernst.




Jens und Kathrin begleiten uns 2-3 Stunden bis Langballig/ Flensburger Förde.





Winke winke … bis zur letzten Sekunde ...winke winke. Jetzt gibt es nichts wichtigeres. „In einem Jahr sind wir wieder daaa!“ Schluck.



Leuchtturm Kalkgrund (Ecke Flensburger Förde – Kieler Bucht) winkt auch irgendwie.



Leuchtturm Bülk, gegenüber Laboe, winkt schon zur Begrüßung.



PS: Kommentare sind nur als Emails an unsere Emailadresse möglich: sy.man.suutje@gmail.com