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Mittwoch, 6. August 2014

Cedeira - La Coruna bis Camarinas

Die Stationen nach unserer Biskaya-Überquerung in Nordspanien sind Cedeira – La Coruna – Corme – Laxe – Camarinas

In Cedeira bleiben wir 4 Tage vor Anker und baden, schauen uns das Dorf an, machen Wanderungen und lassen es uns gut gehen. Cedeira liegt an einer sogenannten Ria, einer Art Fjord mit beeindruckenden Felswänden ringsum, in den 3 Flüsse einmünden.
Auf den ersten Blick erinnert uns die Landschaft an den Schwarzwald: Viel Wald, dazwischen ab und zu einzelne Häuser mit leuchtend roten Dächern. Statt Tannen sind es hier aber Eukalyptus oder Kiefernwälder.
Blick auf den Strand von Cedeira:

Höhenwanderung entlang der Küste

Typische Gasse in dem Ort

Dörte in unserem Schlauchboot...

Bilder von einer Wanderung zu den Windmühlen auf 600 m Höhe:




Wat de Buer nich kennt ...
Nach einem Dorfbummel steht uns der Sinn nach etwas Essbaren und die Speisekarte der netten Tapas Bar auf der Tafel ist lang,. Also nichts wie hin. Nun stellt sich heraus, dass es nur eine spanische Speisekarte gibt und wir von unseren Besuchen von spanischen Lokalen in Heidelberg und Laboe nichts wieder erkennen. Was sollen wir bestellen? Der nette Kellner ist ebenso hilflos wie wir. Er spricht genauso wenig Englisch wie wir Spanisch, aber mit „very good“ empfiehlt er uns ein Gericht. Wir bestellen, immerhin sind wir nicht in China. Eine Empfehlung ist viel wert, wenn man nichts versteht, oder? Mit glühenden Augen und vor Stolz geschwollener Brust stellt er uns etwas später sein Bestes auf den Tisch und wir sind sicher, dass wir es schaffen, nicht unseren Mund offen stehen zu lassen. Es sind „Percebes“. Muscheln.
Merkwürdig aussehend, gelinde gesagt. Ohne hinzuschauen, ziehen meine Zähne wurmartige 2 cm lange Saug-Rüssel aus den Muschelgehäusen. Paul setzt auch tapfer sein Pokerface auf und greift höflich und unerschrocken immer wieder zu. Wir haben Mühe, den Teller zu leeren, wollen aber den Kellner auch nicht mit unserer Ignoranz enttäuschen. Allerdings schmecken percebes für unsere Gaumen nach nicht mehr als nach leicht verdaulichem Knorpel. Wir hätten es wissen können. Nach unserem Galicienbuch sind percebes, wie wir später lesen, die lokale Delikatesse überhaupt. Diese Muscheln gedeihen an den Steilküsten Galiciens und wurden über Jahrzehnte von lokalen Fischern unter Lebensgefahr (und es kamen viele um. Man sieht, wenn man darauf achtet, immer wieder weiße Kreuze an besonders schwierigen Klippen.) in den widrigsten Umständen, auch in winterlichen Stürmen geerntet, weil sie so viel Geld einbringen.

Die Weiterfahrt nach La Coruna

bei 5 Bft Rückenwind...


entlang der Costa del Morte 

 La Coruna im Blick


Pauls Gasflaschenodyssee
Unsere man suutje hat einen Gasherd, die Gasflasche war allerdings nur 1,8 kg groß. Auf Langfahrt ist das unpraktisch, weil man häufig Füllstationen suchen muss und oft nicht findet. Also überlegten wir noch in Flensburg und her, wie wir den Gaskasten vergrößern könnten. Viele Gespräche wurden geführt. Endlich fand sich ein GFK-Bauer, der Zeit hatte, den Gaskasten so zu vergrößern, dass eine 5 kg-Flasche hinein passt. Allerdings erst kurz vor unserer Abreise. Auch gut. Wir freuten uns. Doch dann stellte sich heraus, dass die Gasleitung beim Einbau des neuen Gaskastens kaputt gegangen war und erneuert werden musste. Die Abfahrt drohte sich zu verschieben. Schade. Aber in letzter Minute kam der TÜV, um sie abzunehmen. Hervorragend.
In England wollte uns dann aber niemand unsere neue Gasflasche füllen. Oh je! Paul versuchte es viele Male, teilweise mit der schweren Gasflasche in der Hand. Alle waren der Ansicht, wir hätten bloß unsere kleine Campinggasflasche behalten sollen. Die hatten wir inzwischen jedoch großzügig verschenkt.
Paul setzte dann große Hoffnungen auf Spaniens Gasflaschenfüller. Aber auch hier wusste bei unserer Ankunft jeder genau, dass das Füllen dieser ausländischen Gasflasche niemand übernimmt.
Und nun ist der Rest schnell erzählt, wenn auch lange erlitten. In der 250 000-Seelen-Stadt La Coruna war Paul, versorgt mit dem Tipp des Hafenmeisters, mit der leeren Gasflasche im Rucksack auf den Klapprad 3 Stunden unterwegs und kam schweißtriefend aber strahlend zurück, die volle Gasflasche auf dem Rücken.
Er hatte den Weg dorthin auf einigen Irrwegen geradelt, an Schnellstraßen entlang, über Autobahnbrücken … in der Mittagssonne und diese heiße Quelle gefunden, die danach auch andere Segler erfreute.

Einige Eindrücke von La Coruna:

Die typischen Häuser mit verandaartigem Vorbau am Stadthafen

Abschüssige Gassen, ...

...  schöne Fußgängerzonen mit vielen kleinen Geschäfte, ...

... die Freßgasse in der Nähe des Rathausplatzes, ...

... lecker Essen, ...

... und morgens - hinter uns ein Kreuzfahrtschiff, ...



... Markthalle, ...

... u.a. mit reichhaltigem Angebot an Fischen, ...

... auf der Nordseite - der Strand, ...

...  mit vielen mittleren ...

... und auch größeren Wohnkomplexen.

Kristallklares Wasser ...


... und als Belohnung nach dem Spaziergang: ein Stück Cheesecake mit Cafe con Leche...

Töchter-Treffen in La Coruna
Paul und ich haben es uns zur Aufgabe gemacht, in jedem Hafen und in jeder Bucht andere TO-Yachten zu besuchen und Hallo zu sagen. TO steht für Trans Ocean und ist unser und unserer Eltern überregionaler Segelverein, der, wie der Name andeutet, Heimatverein von Seglern auf Langfahrt ist. Der Verein mit Heimathafen Cuxhaven hat mehr als 5000 Mitglieder und man trifft sie überall. In der Ostsee, im Mittelmeer und auch hier. Wären wir auf Fidschi, Samoa oder in Südafrika würden wir sie auch treffen, die TO-Segler. Der Verein wurde in den 60ern von ein paar Größen des deutschen Segelns gegründet und wird bis heute mit vielen Stützpunkten in der Welt von dort Ehrenamtlichen und „zu Hause“ von sehr engagierten guten Vereinsvorsitzenden geleitet. Wir sind stolz, Mitglied zu sein und dazu gehören zu dürfen.
In La Coruna wie überall erkennt man die TO-Yachten schon von weitem an dem herrlich markanten Stander (Vereinsflagge unter der Saling, also am Mast). Wir sehen drei. Auf 2 Yachten sind die Eigner gerade nicht an Bord; auf der 3. werden wir ins Cockpit eingeladen und beginnen ein anregendes Gespräch im Verlaufe dessen wir erfahren, dass die Amazone-Crew, also Antje und Ingo, aus Bremen kommen. Wir aus Flensburg und Heidelberg, aber ich meinerseits ursprünglich aus Etelsen, einem Dorf bei Bremen. Ob sie das kennen? ´Tja´, sagt Antje zu Ingo, ´Beckröges kommen aus Etelsen´. Hm. Aha! Das sind meine Eltern! So stellt sich heraus, dass Antjes und meine Eltern 50 Jahre nicht nur im gleichen Bremer Segelverein sondern auch befreundet waren. Große Freude! Großes Hallo! Welch Überraschung! Und nun? Erster Impuls: Zu Hause anrufen und berichten: Stell Dir vor, Mutti, wen ich getroffen habe … Aber – unsere Eltern sind tot. Meine Mutter Gerda Beckröge ist 24 Jahre nach meinem Vater Herbert Beckröge letztes Jahr gestorben. So sind Grimms. Wir sind traurig. Punkt. Und glücklich. In ihrem Sinne – das Segeln ein wichtiger Lebensinhalt auch bei ihnen - geht es mit uns weiter. Wir teilen heute ihre alte Freude und Liebe zum Meer, zu den Wellen und Winden; zu Booten und Schiffen, zu Manövern und Häfen und Buchten und zu dem Abenteuer; zum Wagen und Gewinnen; zum Respekt vor dem Meer und zur Umsicht und Vorsicht; zum Helfen und zur Kameradschaft im guten Sinne. Wir sind Teil des Ganzen. Kreise öffnen und schließen sich. Irgendwann. Nur jetzt noch nicht. Wir segeln weiter nach Corme und Laxe. Danach noch weiter. Auf Elterns Pfaden. Die nun unsere sind.

Die Weiterfahrt nach Corme

Blick auf unseren Ankerplatz in der Corme-Bucht

Nochmal "man suutje" vor Anker, gegenüber in Laxe

Die karg bewachsene Landschaft ringsum, wieder mit Windmühlen



Blogs
Lernt man Segler neu kennen, wird man spätestens beim Abschied gefragt, ob man denn einen Blog schreibt. Scheint in Mode zu sein. Es gibt, klar, immer noch die Puristen, nicht die schlechtesten Segler, die, wie Jürgen aus Stralsund einhand unterwegs mit möglichst wenig Energieverbrauch (wo ist auf dem Atlantik bitte die nächste Steckdose?) keinen Blog schreiben. Gut so.
Aber, hier eine Auswahl an Blogs von Interesse:
www.heimkehr-hamburg.de
www.ganescha.info

In der Bucht von Camarinas: 4-stündiger Spaziergang rund um das Kap ...


mit schroffen Küstenlinien, ...

 ... zwischendurch einer riesigen Fischfarm, ...

... etwas betagten Windmühlenfeldern ...

... und schönen, sehr abgelegenen Badebuchten (das Wasser hat hier nur 16 - 17 Grad Celsius).



Im Ort Camarinas dann uralte Kornspeicher.

 zu guter Letzt: unser Standard-Frühstück: