Translate

Sonntag, 5. Oktober 2014

Cascais/ Lissabon bis Porto Santo

Cascais/ Lissabon – Porto Santo

















Börje, Bernhards Freund, den wir schon aus Schweden kennen, besucht uns am Samstag, den 27.9.14, wir essen und klönen und er segelt mit uns etwas hinaus. Ein schöner Tag.



Mit Hans-Werner und Beate feiern wir am Sonntag nicht nur unser Wiedersehen in Cascais sondern auch Beates Geburtstag mit einem herrlichen Fischessen in dem hübschen und ausgezeichneten Restaurant 5 Sentidos. Sie leisten uns am Sonntag und Montag Gesellschaft bei zwei kurzen Törns in der Bucht, sehr zu Hans-Werners Vergnügen und Beates leider von Übelkeit bedrohtem Versuch, Vergnügen zu empfinden.




Die ganze vorherige Woche schon herrscht wunderbares Segelwetter und die Prognosen sind bestens. Unserer Weiterreise nach Porto Santo bei Madeira (470 Seemeilen) am Dienstag steht nichts im Wege, so sind wir sicher.

Am Dienstag früh schauen wir zur Sicherheit noch einmal die Wetterberichte an und sind nicht schlecht erstaunt, dass sich die Prognosen von einem auf den anderen Tag verschlechtert haben. Unisono werden uns für die 4-tägige Strecke für die ersten 3 Tage Nord 5 Bft mit Böen von 6 -7 Bft vorausgesagt mit Wellenhöhe von 2m; für den 4., den Ankunftstag Nord 4 Bft mit Böen von 5, aber Wellenhöhe von 3 – 4 m. Diese Vorhersage ist etwas bedenklich, weil es insgesamt immer mehr Wind geben kann als vorhergesagt.

Was tun? Abwarten? Wir hatten uns auf leichtes Sommersegeln bei 3 -4 Bft gefreut. Wie lange werden wir auf dieses Wetter warten müssen? Europäisches Kontinentalwetter ist eben nicht mehr sommerlich Anfang Oktober. Wenn man mal auf Madeira ist – welches auf der Höhe von Casablanca in Marokko liegt – hat man die Zone des Ganzjahressegelreviers erreicht ... Wir befürchten längeres Warten in Cascais.
Es ist gut, wenn wir das Segeln mit mehr als den bequemen Windstärken üben, so sagen wir uns.

Also noch schnell Spaghetti Bolognese und Nudeln kochen, Wasser und Diesel tanken und ab geht die Post bei Sonne und 4 Bft aus Nord. Guter Anfang.

Unsere Notfallbeutel mit Satellitentelefon, VHF, Epirb, GPS, Proviant, Medizin etc, griffbereit im Schapp:


Jedoch wieder, wie schon die Tage zuvor, geht unsere Simrad Selbststeueranlage nicht richtig. Sie steuert den vorgegebenen Kurs nicht. Hm. Warum wohl? Aber die Selbststeuerung nach Wind funktioniert. Besser als nichts. Also nicht umkehren sondern weiter segeln.
Der Wind nimmt später zu. 5 Bft von hinten sind aber kein Problem, auch die folgenden 6 Bft nicht. Allerdings unterliegt auch die Windsteuerung nach kurzer Zeit deutlichen Störungen. Sie führt uns fortwährend durch Halsen, sodass wir konstant am Ruder sitzen und in Manövern des letzten Augenblicks eingreifen müssen, um die Halsen zu verhindern. Außerdem erlaubt sie uns das Segeln vor dem Wind nicht, welches ein direkter Kurs nach Porto Santo wäre. Wir sind gezwungen, den Wind raumschots zu nehmen, d.h. wir kreuzen vor dem Wind in achterlichen 40 Grad Winkeln Steuer- und Backbord. So verlängert sich nicht nur unsere Reise, zusätzlich entwickeln sich mit den hohen kurzen Wellen von schräg hinten die ständig drohenden Halsen zu einer Belastung für das Rigg und die Nerven. Nun erwarten wir, dass die Wellenhöhe, wie angesagt, noch zunimmt und lassen uns diese Prognose im folgenden noch 2 mal von Meno Schraders Wetterwelt über das Satellitentelefon bestätigen.
In der ersten Nacht gehen wir abwechselnd Ruder. Der 2. Tag wird nicht weniger anstrengend, da die Bedingungen unverändert sind. In der 2. Nacht nimmt der Wind etwas zu und man suutje schießt nun abwechselnd durch die Halse oder luvt unkontrolliert an, wenn wir der Selbststeueranlage nicht immer wieder einen Riegel vorschieben. Da außer dem Kompass des Plotters und dem der Simrad Anlage nachts kein nicht-elektronischer Kompass beleuchtet ist und auch der Verklicker nachts im Dunkeln steht, müssen wir uns bei den Manövern des letzten Augenblicks auf diese sehr zeitverzögerten elektronischen Anzeigen verlassen, was in einem Herum-Eiern auf der Suche nach dem richtigen Kurs resultiert. So schießen wir immer wieder, um eine Halse zu vermeiden, 50 Grad nach Ost und 50 Grad nach West oder tasten uns langsam an den richtigen Kurs heran, bis wir ihn eher intuitiv gefunden haben. Bei 6 Bft. und kompletter Dunkelheit, als ab 23 Uhr der Mond verschwindet und hohen kurzen Wellen ... Für mich geht das nicht. Ich rufe Paul so gegen 3 Uhr aus der Koje, als das Eiern mal wieder ganz schlimm ist und er übernimmt das Ruder. Nach einer Stunde verziehe ich mich in die Koje, damit ich am frühen Morgen ausgeschlafen und fit bin und wieder übernehmen kann. Dann schalte ich die Selbststeueranlage (genannt Berta) aus und es klappt wunderbar vor dem Wind zu segeln und wir kommen auf die Zielgerade zurück. Paul schläft sich jetzt aus. Später geben wir unserer Berta wieder eine Chance, auch wenn wir nun wieder vor dem Wind kreuzen müssen.

Am Morgen des 3. Tages ist uns deshalb klar, dass wir es nicht wie berechnet – wir haben ja insgesamt eine gute Geschwindigkeit von 6 Knoten – noch bis nach Porto Santo schaffen und wir lassen es ruhig angehen. Nun nimmt der Wind etwas ab: Nord 4 -5 Bft. Die Welle wird sehr lang und hoch. Dieses ist die schönste Etappe – besser gesagt, die einzig schöne Etappe – des Törns. Die Sonne kommt durch. Hin und wieder hebt uns eine der sanften langen Wellen von achtern so hoch, dass wir einen weiten Blick über die Seelandschaft voraus haben. Mich erinnert das an den Blick vom Berg in Heidelberg hinüber in die Pfalz.




Wegen meiner Kapitulation in der Nacht zuvor, möchte Paul nun in der letzten Nacht alleine Ruder gehen. Er legt sich deshalb tagsüber immer wieder hin, um voraus zu schlafen; was nur bedingt gelingt. Ihm gehen immer wieder Lösungsmöglichkeiten für das Berta-Problem durch den Kopf; er liest das Anleitungsheft wieder und wieder und findet die Lösung: Er schafft es, unsere Berta so zu programmieren, dass sie nach dem scheinbaren Wind steuert und nicht wie bisher nach dem von ihr berechneten wahren Wind. Herrlich. Wir können mit Großsegel und ausgebaumter Fock das Passatsegeln üben. Es klappt. Wir atmen auf. 



Wir sind mit 6 Knoten wieder schneller und auf der Zielgeraden nach Porto Santo. Jedoch zu früh gefreut. Schon nach 2 -3 Stunden kommen ihre Macken zurück und der „wahre“ Wind meldet sich ungefragt und unbeauftragt als Auftraggeber für die Selbststeuerung zurück und damit stellen sich die Fehler wieder ein.
Nachdem ich 12 Stunden am Ruder saß, also den ganzen Tag, übernimmt Paul um 21 Uhr die Regie und ich schlafe mehr schlecht als recht bei krassen Seegang bis um 6 Uhr und löse Paul ab, der aber seinerseits anfangs keine Ruhe findet, so überdreht wie man nach so einer Nacht ist, sondern erst in den letzten 3 Stunden vor Ankunft in Porto Santo.



Dieser Hafen ist voller Yachten aus vielen verschiedenen europäischen Ländern. Sowie wir gesichtet werden, kommen mehrere Menschen angelaufen, winken uns zu einem guten Liegeplatz und helfen uns festzumachen. Es ist 12 Uhr. Wir machen gemeinsam die Behördengänge, trinken einen Kaffee und spüren deutlich die neuen, warmen Breitengrade. Badewetter. Das Wasser erfrischt uns mit 24,3 Grad am schönen Sandstrand. Die Luft ist 26 Grad warm.
Begrüßt werden wir am Steg schon bald von Jürgen – wie schön! -, den wir aus La Coruna kennen und weitere 2 Male danach in Galizien wieder gesehen hatten.




Und am Abend steigt die Party aller Yachten am Steg. Jede Crew bringt etwas zu trinken oder zu knabbern mit. Zwei Franzosen spielen Mundharmonika, Frank aus Chemnitz holt seine Gitarre, eine weitere Französin erscheint dann mit ihrer Querflöte und zuletzt gesellt sich ein amerikanischer Virtuose des Banjo dazu. Und viele singen.
Ab 23 Uhr ist Ausschlafen nicht mehr zu vermeiden. Und heute Morgen entdecken wir trotz Sonntag einen sehr gut sortierten Supermarkt im Dorf (Porto Santo ist kahl-braun; liegt 30 sm neben Madeira, welches üppig grün ist) und kaufen die ersten Bananen, Mangos und Chirimonias aus hiesigem Anbau. Aha, wir sind fast schon in den Tropen.
Nachdem in den ersten beiden Tagen und Nächten der Überfahrt an Kochen oder Aufwärmen von Essen nicht zu denken ist, so sehr schaukelt es nach rechts und links und hoch und runter, tut Essen nun richtig gut.