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Dienstag, 11. November 2014

Teneriffa

Hier im recht vollen Hafen Santa Cruz de Tenerife liegen circa 150 Yachten, die meisten so etwa unserer Größe von 11 – 12 m, und man kann davon ausgehen, dass fast alle in dieser Saison über den Atlantik segeln.

In den letzten Tagen trudeln auch Megayachten ein, die mit der ersten Möglichkeit Mitte/ Ende November über den Atlantik segeln, z.T. mit Chartergästen.




Stegnachbarn, auf dem 7-tägigen Weg zu den Kapverden und danach weitere 2 - 3 Wochen in die Karibik

Heute in 14 Tagen ist es bei uns soweit: Dann wollen wir zusammen mit Dirk, Pauls Bruder, ablegen und nach Tobago segeln. Fixtermin ist für uns der 24. November, Sturmfreiheit für die ersten Tage vorausgesetzt.

Auf den Booten um uns herum macht man sich startklar und wir auch:
  • Das stehende Gut (Masten, Wanten und Stage, i.e. die Stahlseile, die den Mast halten) und das laufende Gut (Fallen und Schoten, die Taue mit denen man die Segel bedient) werden auf Unversehrtheit kontrolliert. Wir erneuern 2 Unterwanten.
  • Maschine, Ventile, Schläuche und Schellen werden einer Prüfung unterzogen;
  • ebenso das Ankergeschirr: Ist die Ankerkette bis ins letzte Glied in gutem Zustand? Wir haben unserem Zweitanker einen 25 m Kettenvorlauf verpasst, damit wir bei sehr großer Wassertiefe in einer der vielen sehr tiefen Ankerbuchten der Karibik auch bei viel Wind z. B. durch Verkatten der Anker (voreinander schäkeln/ verbinden) nicht abgetrieben werden und ruhig schlafen können.
  • Für Schoten und Falle besorgten wir jeweils Ersatz.
  • Des weiteren: Wie viele Gasflaschen nehmen wir für den Herdbetrieb mit (Dirk bringt uns einen neuen Herd aus Deutschland mit)?
  • Auch einen Treibanker zum Abbremsen der Geschwindigkeit bei Sturm haben wir uns zugelegt.
  • Schnorchel und Tauscherbrille haben wir nun beide.
  • Und eine schnelle Bilgepumpe steht auch noch auf der Liste, die uns im Falle eines Lecks bis zur Abdichtung schnell ganz viel Wasser aus dem Schiff pumpt.
  • Wie viel Trinkwasser sollen wir neben den 450 Litern im Tank bunkern? Platz an Bord ist begrenzt. Trinkwasserbunkern wird in Tobago, wenn die Vorräte aufgebraucht sind, schwierig werden. Es gibt in Tobago keinen Hafen mit Anleger; wir werden nur ankern können, aber es soll viel regnen. Also haben wir uns eine Art Auffangvorrichtung für Regenwasser gebastelt.
  • Damit unsere attraktiven Vorräte weder Kakerlaken noch Rüsselkäfer anziehen, verpacken wir Mehl, Müsli, Nudeln usw in Lebensmittel-Container mit Silikonrand. Klips und zu.
  • Auch der Besuch einer Ratte wäre katastrophal, weil Schläuche und Leitungen leckere Knabberobjekte sind. Eine Rattenfalle zu bekommen, hat sich bisher als schwierig erwiesen.
  • Ein Gitter für den Niedergang gegen den Fall eines unangenehmen nächtlichen Besuchs in einer idyllischen Ankerbucht haben wir uns auch gebaut.

Liebe Freunde und Familie, wir hoffen, dass Ihr angesichts dieser Liste nicht das Gruseln kriegt. Wir wollen Euch aber gerne von unserer derzeitigen Situation erzählen und wissen, dass sie den einen oder anderen von Euch interessiert. Und vielleicht tröstet Euch, dass Ihr erstens nicht mit segeln müsst ;) und zweitens, dass wir nicht mit dem Schlimmsten rechnen. Im Gegenteil: Wir freuen uns riesig auf dieses Abenteuer der Atlantiküberquerung (3 – 4 Wochen nur segeln - wie das wohl ist?) - und es gibt uns Ruhe, auf alles vorbereitet zu sein.


Unsere Eindrücke von Teneriffa


Teneriffa hinterlässt sehr gemischte Eindrücke. Im Osten äußerst karge Landschaften. Wüstenartig. Geröllfelder. Orte, die wohl einmal Fischerdörfer waren und heute für die alte Generation durch die Bebauung der letzten Jahre kaum wieder zu erkennen sein dürften. Im Süden zeichnen sich Küstenabschnitte über viele Kilometer hinweg durch große Trockenheit aus mit großen Hotelkomplexen, allerdings auch sehr gepflegten Hotelanlagen. 






Der Norden, der gemeinhin als die schönere Gegend beschrieben wird, ist zwar sehr gut zugänglich durch 4-spurige Autobahnen und weist jenseits davon eine üppige Vegetation auf und erinnert damit an Madeira. Allerdings würde man z. B. in Puerto de la Cruz als einem der ersten Urlauberorte der Insel mit Hotelkomplexen aus den 70ern nicht so gerne Urlaub machen, so hoch und dicht bebaut wie der Ort ist. Fasziniert waren wir wiederum von den Naturschwimmbecken in den Felsen der Nordküste!



Und noch faszinierter waren wir von der berauschenden Vulkanlandschaft um den Berg Teide im Inselinneren. Wir erlebten sie über den Wolken in der Abendsonne.





Wanderungen konnten wir leider noch nicht so viele machen, wie wir dies gerne gewollt hätten.
Der Wille ist schon da, allerdings ist Paul nur bedingt einsatzfähig: Die linke Ferse macht seit fast 4 Monaten Probleme und diese verschlimmern sich eher. Gleich nach der Ankunft auf Teneriffa ist daher ein Doktor-Hopping angesagt; dies mündet letztendlich in der Diagnose : „Fersensporn“ und in einer physiotherapeutischen Behandlung. So ganz allmählich verbessert sich die Situation mit der Ferse. Es besteht die Hoffnung, dass wir wenigstens in der letzten Woche noch einiges zu Fuß hier im schönen Anaga-Gebirge erwandern können.




Pauls Physiotherapeutin Laura und ihr Freund besuchen uns zum Kaffee

Gestern Abend auf unserem Abendspaziergang sahen wir die Thor Heyerdal, ein 70jähriger 50m- Dreimaster. Er ist mit 9 Besatzungsmitgliedern, 34 Zehntklässlern und 5 Lehrkräften unterwegs, von Kiel über Falmouth, Teneriffa, Grenada, Panama, Guatemala, Honduras, ...Kuba, ..., Azoren und wieder Kiel. Es wird täglich etwas Unterricht gemacht, aber das Lernen findet hauptsächlich auf Exkursionen statt. Die Thor Heyerdal braucht für diesen Törn 6 Monate. Jeder Gast zahlt 2770 € im Monat.



Kurz vor Abreise am 24. November bloggen wir noch ein letztes Mal aus Europa.