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Montag, 12. Januar 2015

Grenada und die südlichen Grenadinen

Dirk und Thoma verlassen uns per Fähre von Carriacou nach Grenada.


Hier vor Ort erfährt man erst richtig von den Fähr- und Flugverbindungen zwischen den Kleinen Antillen. Das Internet ist nicht immer auf dem neuesten Stand. So geht die Fähre von Carriacou nach Grenada einmal am Tag zu anderen Uhrzeiten als es im Internet zu erfahren war. Inselhopping scheint insgesamt nicht so schwierig zu sein, wie man sich das zu Hause vorstellt.




In Carriacou gefällt uns der Hauptort gut, vor dem wir ein paar Tage starken Wind (6 Bft, in Böen 7 - 8) abwettern. Es bläst aus allen Rohren und wir fragen uns mittlerweile, ob das Segeln hier auch mal gemütlich ist.


Eine ganze Nacht hält der Anker bei viel Wind super, dann plötzlich - es wird just der Außenborder im Cockpit repariert - driften wir auf die Yacht hinter uns zu und können gerade noch rechtzeitig den Anker hochziehen und weg motoren.

Jens fliegt ein und weiter geht es nach Union Island. Hier müssen wir für die Grenadines einklarieren, also uns mit allen Papieren und Pässen anmelden. Schön, dass wir auch gleichzeitig ausklarieren können. Das erspart uns einen weiteren Tag auf Union Island, finden wir es hier doch nicht so lustig und wollen wir doch nur zu den Tobago Cays und dann wieder zurück nach Grenada, um Jens zum Flughafen zu bringen und unsere Ersatzteile zu holen.

In Clifton, dem Hafen von Union Island schiessen gleich beim Einfahren 2 -3 schnelle Motorboote auf uns zu, deren boat boys uns Mooringbojen zum Festmachen, Fisch, Langusten und ihre Taxidienste anbieten. Einer der hartnäckigsten, dessen Boje wir abgelehnt haben, umkreist uns immer wieder und ruft uns während unseres Ankermanövers zu, wir sollen doch nicht auf 10 m Wassertiefe ankern. das sei doch viel zu tief. Wahrscheinlich hat er mit solchen Verunsicherungsversuchen des öfteren Erfolg. Der Naturhafen von Clifton ist durchaus gewöhnungsbedürftig: Man ankert auflandig, zwar hinter einem Riff, das die Wellen bricht, aber in einer Hafenbucht, die den starken Atlantikwind ungebremst herein lässt. (Weswegen natürlich die Kitesurfer diese Starkwind-Ecke lieben.) Man ankert mit einem weiteren Riff im Rücken. Ungemütlich.








Das Schnorchelparadies Tobago Cays ist zwar pittoresk aber auch voll. Es liegen mehr als 60 Yachten vor Anker, in der Mehrzahl monströse Charter-Katamarane, zwischen denen sich schon 39 Fuß-Katamarane winzig ausnehmen. Das Ankern auf türkis klarem Wasser hinter und zwischen 2 kleinen Inseln verlockt zum Schwimmen. Beim Schnorcheln sind aber außer Seeigeln nur wenige Fische zu sehen. Ans Außenriff, hinter dem die meisten Yachten bei tosenden Winden liegen, kann man wegen der gewaltigen Brandung nicht schwimmen. Auf der Paradies-Insel werden wir gleich nach Anlanden mit dem Dinghi aufgefordert, das allabendliche Langustenessen mitzumachen oder T-shirts und Tücher zu kaufen. Und nach und nach trudeln 3 große und 2 kleine Kreuzfahrtschiffe ein, deren Gästeschar mit schnellen Schlauchbooten an man suutje vorbei zum Inselrundgang hin- und her gefahren wird. Schwimmen ums Boot herum wird lebensgefährlich.









Also reichen uns eine Nacht und ein Tag auf den Tobago Cays und wir kehren der Inselgruppe den Rücken ...

... und segeln vorbei an Palm Island, einer kleinen Insel, vor wenigen Jahren von einer großen Hotelkette gekauft und zu einem first class Urlaubsort gemacht ...



... nach PSV [pi-es-wi], Petit St. Vincent, ebenfalls einer winzigen Paradies-Insel, die komplett aus einem noch nobleren Hotel mit Golfplatz und Spa besteht. Die Nacht in einem 1-Bett-Bungalow kostet 1100 US $. Hier hatte es uns aber die Bucht - 5 -6 Yachten vor Anker - sehr angetan. Das Wasser ist noch türkiser.



Die Segeltour am Freitag, den 9.1.15 östlich um Grenada herum ist wegen der Winde, NO 5 - 6 Bft, aber auch wegen der starken Strömung nach Süden von z. T. 2 - 3 Knoten rasend schnell. Seitdem werden wir allerdings leider von Schauerböen verfolgt, die meist ordentlich Wind mit bringen. So warten wir ab, ob wir morgen oder übermorgen wieder entspannter segeln können.

Hier in Grenada können wir die bestellten Ersatzteile abholen: Der Motor für Berta ist 10 Tage nach Bestellung abholbereit. Er wurde zwar nur von Martinique hierher gesendet, aber hier dauert alles etwas länger, in diesem Fall auch deshalb, weil die Sendung den Zoll passieren musste.
Die Preise für Bootsausrüstungsteile sind deutlich teurer als in Deutschland.
Auch der neue Spibaum ist mit einer Woche Verspätung fertig und passt nach etwas eigener Schleifarbeit in die dafür vorgesehene Halterung am Mast.
Des weiteren tauscht Jens uns eine Reffleine und die Großschot wegen Abnutzung aus. Ein Paddel repariert er und der Außenborder wird komplett gewartet.



Wenn demnächst der UV-Streifen der Genua und das Kojensegel repariert sind, ist alles wieder in bestem Zustand.

Was wir stark vermissen - und es hat schon etwas Komisches - ist Obst. Freuten wir uns schon in Spanien auf Mangos, Ananas und andere tropische Früchte, so sind wir nun sehr enttäuscht, dass es sie hier nicht zu kaufen gibt. Die Apfelsinen sind klein und grün und sauer und nicht von den ebenso kleinen und sauren und grünen Pampelmusen zu unterscheiden. Die Bananen sind lecker, aber darüber hinaus gibt es nur noch Zitronen und Limetten. Wo ist all das tropische Obst? Wenn uns das jemand verraten könnte, wären wir sehr dankbar.

Was uns des weiteren überrascht, sind die Preise. Wir wussten, dass die Karibik teuer ist und haben die Backskisten immer noch voller Lebensmittel aus Spanien. Aber 2,50 € für 1 kg Kartoffeln und 13 € für ein 200 g Glas Kaffee sind doch schon was. Gut, es muss viel importiert werden. Aber wie wär´s mit 4,50 € für einen 5-l- Kanister Wasser in einem Land, in dem es ständig regnet? Wir fragen uns, wie die Einheimischen das bezahlen können. Auch wenn man nicht viel Armut sieht, leben 38% der Menschen unterhalb der Armutsgrenze und 33% sind arbeitslos. Trotzdem liegt die Alphabetisierungsrate bei 96% und die Lebenserwartung bei 73,8.

Grenada wurde 2004 von einem schrecklichen Hurrikan heimgesucht, der 90% aller Gebäude zerstörte. Danach wurde alles mit gewaltiger Initiative und Kraft wieder aufgebaut. Vor 20 Jahren sah man hier im Inselinneren hauptsächlich Holzhütten mit Wellblechdächern. Und heute ist die Insel übersäht mit guten, recht großen Einfamilienhäusern. Viele Bewohner Grenadas werden in den zahlreichen, neu entstandenen Hotels an den Küsten arbeiten. Vor allem im Süden hat sich die Hotelanzahl sehr erhöht. Auch Gegenden mit luxuriösen Villen sind heute anzutreffen; zum Beispiel hier in unserer jetzigen Ankerbucht Prickly Bay, in der etwa 100 Boote vor Anker liegen. Hier ein Dinghisteg:



Grenadas Wirtschaft stützt sich besonders seit dem Ausbau des Flughafens 1985 hauptsächlich auf den Tourismus. 69% der Bevölkerung arbeitet im Dienstleistungssektor und nur 11% in der Landwirtschaft. Früher wurde viel mehr Muskatnuss und Kakao exportiert, aber Hurrikan Ivan zerstörte beide Anbauarten weitgehend.

Dieser Einheimische flechtet Körbe und Schalen aus Kokosnusspalmblättern vor den Augen seiner Kundschaft. Der hier beim Warten auf den Bus entstehende Korb wurde Teil von Dörtes Geburtstagstisch.



Wie geht es weiter? Erst einmal nach St Lucia und dann noch weiter nördlich, mindestens bis Antigua. Bis Anfang/ Mitte Mai kreuzen wir auf jeden Fall in der Inselwelt der Kleinen Antillen. Aber für danach ist die Option, nach Deutschland zurück zu segeln, mehr ins Zentrum gerückt.
Für diesen Fall suchen wir noch einen weiteren Mitsegler, denn Dörte fliegt dann nach Hause, ist sie doch der Meinung, dass alle, die mit auf diese Kaperfahrt fahren, Männer mit Bärten sein müssen.