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Sonntag, 1. Februar 2015

Auf nach Saint Lucia

Bequia ...

Trinkwasser oder Diesel gefällig?

Collin bringt den reparierten Kickerbeschlag wieder an.

Oh, wie schön ist Bequia. Abschied, Glasklares Wasser mit Fischen direkt im Dorf an der Promenade.

Der Kindergarten macht einen Ausflug zum Baden


... verlassen wir um 6 Uhr in der Früh, damit wir die lange Strecke nach Saint Lucia vorbei an St Vincent an einem Tag schaffen. Es sind 3 – 4 Bft, später gute 5 aus ONO. Wir können wunderbar hoch am Wind in der Passage zwischen den Inseln segeln. Neben St Vincent ...


... nimmt der Wind leider ab und wir rollen die Fock weg und „motorsegeln“, denn wir möchten vor Einbruch der Dunkelheit in Vieux Fort an der Südostecke Saint Lucias in Ruhe den Anker werfen. Schade eigentlich dass wir uns sputen müssen. Der schönste Moment beim Segeln ist für uns doch der, wenn der Motor endlich ausgeht und Ruhe einkehrt. Aber „der Doyle“, der Revierführer, formuliert, so zurückhaltend wie er generell ist, für verschiedene Buchten in St Vincent deutliche Sicherheits-Vorbehalte, die allgemein von Berichten ortserfahrener Crews bestätigt werden; z.B.: „There were serious security concerns here for some years. I have been told the men responsible are now in jail, and people are staying here without a problem. If you want to be really safe [...], anchor in front of the ... Restaurant [...]. If you want to check with the local police, their number is ... .“ Usw. Es geht u.a. um bewaffnete Raubüberfälle auf Yachten. Und was zusätzlich sehr viele Crews einen Bogen um St Vincent machen lässt, sind die z.T. wohl hartnäckigen und aufgenötigten bis bedrohlichen Verkaufsofferten und -gespräche in den Buchten durch boat boys.

Diesen Situationen wollen wir uns nicht aussetzen. Die Karibik ist groß und weist viele schöne Ecken auf, die unproblematisch sind und die wir noch für uns entdecken können. Also nichts wie hin nach Vieux Fort auf Saint Lucia.

Dort angekommen macht uns eine Yacht das Anlegen im Fischereihafen vor, und wir tun es ihr nach.



Kulturschocks, die Mr Doyle Besuchern, die nur Touristenorte kennen, in Aussicht stellt, erleben wir hier nach unseren Rucksackreisen in Indien und Indonesien nicht mehr, wenn auch zugegebenermaßen Plastikmüll im und um den Hafen und die „Düfte“ bedauerlich sind. Die Menschen sind freundlich, wollen uns nichts verkaufen, sind nicht aufdringlich. Kinder spielen auf der Hafenmauer, die Mütter angeln mit den Vätern in der untergehenden Sonne. Wochenendstimmung auch bei unserem nächtlichen Spaziergang durch das Dorf. Eine schmale, asphaltierte, gefegte Hauptstraße mit tiefen Regenrinnen rechts und links; viele junge Menschen sitzen oder stehen vor den für unsere Augen ärmlichen Häusern. Sie unterhalten sich. Es ist friedlich und freundlich. Auch wir werden höflich gegrüßt. Nette Blickkontakte. Die Seitenstraßen besuchen wir aber lieber nicht, weil sie dunkel sind und bald sind wir auch schon wieder „zu Hause“. Der zuvorkommende junge Mann, der uns bei Ankunft die Leinen annahm, „bewacht“ unser Boot und versichert uns am nächsten, also heute Morgen, dass wir ruhig unsere Besorgungen machen können. Er passe auf und das Boot sei in Sicherheit. Gut. Das wollen wir zwar so gar nicht. Bevor wir losgehen, beeindruckt uns sein Bericht von dem bewaffneten Raubüberfall im letzten Jahr durch 4 einheimische junge Männer auf einer englischen Yacht mit dem Tod des Skippers allerdings schwer. Ist dies womöglich ein Security Mann und keineswegs nur ein hilfsbereiter Mensch?




Im Bus zum hübschen Nachbarort Laborie warnt uns dann wiederum eine aufgeschlossene Mitfahrerin und rät uns zu großer Vorsicht. Gut. Wir sind generell vorsichtig. Aber eine weitere Person berichtet von „bad guys from the ghetto“. Oha. Unsere Internetrecherche ergibt dann tatsächlich, dass Yachten speziell vor dem Ort Vieux Fort auf Saint Lucia wegen häufigerer Überfälle gewarnt werden. Noonsite, eine Website für weltweites Fahrtensegeln und selbst das Auswärtige Amt warnen neben St Vincent auch vor Saint Lucia.

Ach, du meine Güte. Auch das noch.
Wegsegeln wollen wir heute nicht mehr. Wir verholen uns vor Anker in die Bucht vor Vieux Fort. Es ist schön hier. Nur, einmal zusammengefasst: In unserem aufwendigen Bemühen, der Kriminalität aus dem Weg zu gehen, haben wir einen Volltreffer gelandet. Von den berüchtigten Buchten der beiden Inseln St. Vincent und St. Lucia haben wir wohl die berüchtigtste gefunden. Dafür liegen wir hier schön einsam. 😏
Immerhin haben wir ein Gitter für den Niedergang und eine Superzwille mit Kichererbsen als Überraschungsgeschoss. 


Außerdem glauben wir an das Gute im Menschen. Wir hatten einen schönen Tag und waren in Bussen, Läden, auf Marktplätzen und Straßen unter lauter freundlichen Menschen. 




Wir bleiben und schlafen ein wenig, leicht schaukelnd in der Mittagsruhe und Idylle vor Anker. Beim wieder Auftauchen aus dem Bootsinneren ins Cockpit, ruft Paul: Schau mal!
Surprise, surprise. In der uns umgebenden riesigen Bucht, die mehr als 50 Yachten Platz zum Ankern bieten würde, liegt nun direkt neben uns, keine 10 Meter entfernt, gewissermaßen auf Tuchfühlung eine amerikanische Yacht vor Anker. Wir lachen beide laut.