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Dienstag, 10. Februar 2015

Ein Tag, den wir eigentlich so nicht haben wollten (von Harm)

Karibik 8.2.2015
Früh um 3:30 wurden wir durch ein Knallen geweckt. Alle 3 Dörte, Paul und ich (Harm) standen wie geölte Blitze sofort auf der Matte im Cockpit. Paul hatte keine Zeit sich irgend etwas anzuziehen, aber das störte keinen, denn wir hatten Wichtigeres zu tun. Die Lage war ernst, denn wir hatten Kontakt mit einem französische Katamaran - unserem Nachbarn. Der Wind hatte stark aufgefrischt und gedreht. Unser Schiff hatte sich in Bewegung gesetzt. Der Anker, der von Dörte am Nachmittag vorher noch durch starkes Rückwärtsfahren geprüft worden war, hielt nicht. Wir 3 behielten eigentlich ziemlich gut die Nerven. Leider war das bei unserem Nachbarn nicht so. Er hatte Panik und schrie mit französischen Worten nur so um sich. Dörte dachte er würde nach seiner Frau schreien - aber die war ja schon da. Unser Boot legte sich zuerst quer vor den Katamaran. Wir konnten es aber mit vereinten Kräften an die Seite drücken. Ich konnte mit meinen geringen Französischkenntnissen nicht begreifen, dass der Nachbar mit seinen hysterischen Schreien „Ballon! Ballon! Ballon!“ Fender meinte, die wir schleunigst anbringen sollten. Dann wurde es langsam besser. Dörte hatte den Motor angeworfen und wir konnten uns vom Katamaran entfernen. Der Anker musste allerdings noch hoch. Paul machte das mit der Hand. Das war sehr anstrengend, trotz meiner Unterstützung. Wir suchten jetzt in völliger Dunkelheit nach einem geeigneten Ankerplatz. Es durfte ja nicht zu tief und auch nicht zu flach sein. In der Dunkelheit half der neue LED Strahler dabei ganz gut. Irgendwann hatten wir dann den, unserer Meinung nach, richtigen Ankerplatz. Aber - der Anker hielt nicht! Wieder musste die jetzt 40 m lange Ankerkette eingeholt werden. Das war extrem schwer. Paul hatte wieder entschieden, das mit der Hand zu machen. Ich half ihm so gut es ging. Später wussten wir, warum es so schwer ging: Wir hatten einen ziemlich großen Hummerkorb am Anker. Als der Anker ganz hoch war, rutschte der Hummerkorb runter. Wir irrten dann ziemlich lange herum und suchten im Dunkeln nach einer Ankerboje. Durch das Blinken eines anderen Seglers, "Cello", fanden wir am Ende der Bucht eine Boje. Das war "Rettung in der Not". Schön. Siggi und Robert von Cello schreiben auch von dieser Nacht: https://sail.robotniko.de/ Das Abenteuer war überstanden. Dörte fragte später, ob Hummer im Korb waren - aber in dem Moment hatten wir noch andere Sorgen gehabt, als danach zu schauen. Es war alles gut. Wir haben dann noch geschlafen und sind nach dem obligatorischen Müslifrühstück mit Mango (lecker) aufgebrochen zum nächsten gut geschützten Hafen - "Pointe du Bout" in der Nähe der Hauptstadt Fort de France. Hier konnten wir Wasser tanken und das Boot vom Salzwasser befreien. Am Abend machten wir noch einen kleinen Zug durch die Gemeinde und trafen dabei wieder einmal auf eine tolle Reggae-Band. Mit einem Essen in einem netten Lokal am Hafen und einem Bier im Cockpit beendeten wir den Abend ganz zufrieden.