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Freitag, 20. Februar 2015

Von Antigua nach Deshaies/ Guadeloupe

Obwohl wir etwas den stärkeren Winden ausweichen wollten, die für morgen und übermorgen (Sa und So) für die Strecke Antigua – Guadeloupe angekündigt waren, traf es uns gestern (Do) mit 11 bis 12 m/sec (6 Bft halber Wind) schon ganz schön heftig. Für meinen Geschmack zu viel des Guten, vor allem die (3 - ) 4 m Welle. Auf unserer Atlantiküberquerung waren diese Bedingungen zwar alltäglich, wenn ich mir die Segelbedingungen aber aussuchen kann, weil wir einfach einen Tag auf einer Insel abwarten können, bis der Wind wieder leichter ist, würde ich das immer tun. Unsere Malö 116 meistert jede Bedingung aufrecht und stoisch, aber ich finde die Wucht hinter Wind und Welle anstrengend.


Hier in Deshaies angekommen sind wir angetan von der Umgebung. Es ist, wie wir es lieben: Ein kleiner Ort (4200 Einwohner) in einer nach Osten gut geschützten Bucht (es geht 800m hoch auf den Berg). 

20 -30 andere Boote liegen schon hier. Der Ort hat einen guten Dinghisteg und mehrere kleine Lebensmittelgeschäfte, einen größeren Supermarkt, verschiedene kleine Obst- und Gemüseanbieter, ein paar Restaurants direkt am Ufer, der Botanische Garten ist eine Unternehmung wert und – was schön ist – man ist gleich inmitten einiger bekannter Yachten. Man hat sie hier oder dort schon einmal gesehen, man hört auf der Straße jemanden deutsch sprechen und siehe da: Die kennen wir doch aus Madeira oder Bequia ... Man tauscht Berichte aus: Wie war eure Atlantiküberquerung? Wohin seid Ihr gesegelt? Entspricht die Karibik euren Erwartungen? Wie bewährt sich euer Boot? Wohin geht´s denn noch? Ab welchem Ort tretet ihr die Rückreise an?

Überrascht und erfreut sind wir von der Tatsache, dass relativ viele junge Menschen unter diesen Segelnomaden sind. Sie machen das richtig. Sind sie 28, 30 oder schon 34? Sie segeln schöne, gut ausgestattete Boote um 10 bis 12 m und verwirklichen ihre Träume vom Blauwassersegeln. Sie haben schon viel Segelerfahrung erworben, wenn sie sich solch eine Reise zutrauen und in technischen Dingen macht ihnen keiner etwas vor: Sie erteilen Ratschläge. Manche starten mit weniger Segelkenntnissen gleich zu einer Atlantiküberqeurung und wachsen unterwegs in ihre Aufgabe hinein. Diese Variante ist noch etwas abenteuerlicher. Das Modell "einmal in die Karibik und zurück" ist auch bei diesen jungen Leuten das beliebteste. Das dauert 9 – 12 Monate. Aus eigener Erfahrung mit Sabbatjahren genau im ihrem Alter wissen wir, dass man sich nach solch einer schönen Zeit wieder mit Schwung und Lust in die Arbeit stürzt. Sabbatjahre sind für beide, Arbeitnehmer und Arbeitgeber überaus positiv.

Heute morgen hier in Deshaies beschließen Paul und ich, den Anker zu lichten und uns eine der ungefähr 10 Mooringbojen zu schnappen, die unter Wasser sehr stabil aussehen und siehe da, im allgemeinen Ablegegewusel ist ein Run auf diese Bojen und auf bessere Ankerplätze in der Bucht entstanden. Ein Nachbar schickt sogar einen Mitsegler mit dem Beiboot vor, damit der sich an einer Boje fest- und sie besetzt hält.... Es ist eben doch ziemlich voll in den meisten Buchten.

Gleich geht es mit dem Dinghi an Land: Die Lebensmittellage studieren.