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Mittwoch, 18. März 2015

St. Martin - Virgin Gorda/ British Virgin Islands

Am Dienstag Mittag verabschieden wir uns von Elke und Werner auf Naja und sind wehmütig. Aber wir sehen uns wieder und erzählen irgendwann mit viel Zeit voneinander, da sind wir uns sicher. - Nun wollen wir noch die Wäsche von Shrimpy's abholen, da winken uns Antje und Ingo schon vom Strand aus zu! Ein freudiges Wiedersehen mit der Amazone Crew. Wir haben uns viel zu berichten, laufen etwas auf und ab und gehen etwas essen und trinken, aber wir wollen heute noch ablegen für die 80 sm nach Virgin Gorda. Das Abschied nehmen fällt uns schwer. Und dann auch noch von Peter. Bei ihm fahren wir mit dem Dinghi vorbei. In der letzten Woche fragten wir ihn viel zu seinen Erfahrungen als vielfacher Atlantküberquerer und zu dem Leben auf den Kleinen Antillen; er hat uns seine ehemalige Segelmacherwerkstatt gezeigt, in der zur Zeit Jean-Pierre Straub seine schöne „Wood Inlay Art“ herstellt. - Wird man sich jemals wieder sehen? Zu viel Abschied an einem Tag. Aber toll: Meise, die wir von Madeira kennen, ist inzwischen auch hier in der Bucht angekommen.
In der Marina Fort Louis auf St. Martin legen wir kurz an, um den Wassertank zu füllen (12 € für 250 l) und das zieht sich wegen der umständlichen Abläufe in der Marina in die Länge, sodass wir erst mit dem Sonnenuntergang gegen 18 Uhr ablegen.
Noch bis 10 sm hinter St. Martin weichen wir 5 - 6 kleinen Fischern aus, die erst ihre Lichter anschalten, als sie uns kommen sehen, und immobil an Ort und Stelle auf 25 m Wassertiefe verharren und fischen. Eine sehr große Segelyacht überholt uns gegen 23 Uhr, eine weitere folgt uns in der Nacht. Sie ist 7 sm hinter uns. Wir sehen sie nur als Symbol auf dem Plotterscreen und nicht direkt, im Gegensatz zu diversen anderen „Lichtgestalten“, die auf beiden Bootsseiten weit entfernt mit 12 Knoten Fahrt den dunklen Horizont entlang ziehen. Gegen 4 h erscheint der Mond als kleine Sichel hinter uns und leistet den Millionen Brillianten am Sternenhimmel Gesellschaft. Wir wollen zur Gun Creek auf Virgin Gorda in den British Virgin Islands.Wir haben 5 - 6 m/ sec (4 Bft) raumen Wind, kleine Welle, aber die rollt uns von links nach rechts – Passat! Wir halten Wache im 4 Stundentakt und wer frei hat, schläft quer zur Fahrtrichtung in der Vorschiffskoje, wie sich das schon auf der Atlantiküberquerung bewährt hat.



Morgenstimmung auf See

Wir sind gespannt, was uns auf den British Virgin Islands erwartet. Welche Zeugnisse der Vergangenheit werden noch zu finden sein? Nachdem die friedfertigen Ureinwohner, die Arawaks, von den kriegerischen Einwanderern aus Südamerika, den Kariben, ausgerottet waren, kamen ab 1493 Kolumbus und die Spanier auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien zu den „West Indies“. Die Kariben wurden schon bald von den Europäern ausgerottet, nur auf Dominica konnten sich wenige in unzugänglichen Bergregionen halten. Die Spanier wandten sich allerdings schon bald enttäuscht von den Kleinen Antillen ab und den großen Antillen und dem mittelamerikanischen Festland zu, wo sie die dortigen Einheimischen um ihr Gold und Silber erleichterten. Die nach Spanien zurück segelnden, prall mit Beute gefüllten Schiffe riefen die nächsten Ankömmlinge auf den Plan: Piraten! Sie konnten ihnen in den vielen Buchten des geschützten Reviers der Virgin Islands gut aus dem Hinterhalt auflauern und ihnen die erbeuteten Schätze wieder abnehmen. Z. B. Sir Francis Drake, auf den Virgin Islands als Freibeuter von 1568 bis 1595 tätig, wurde für seine großen Verdienste in dieser Hinsicht sogar vom englischen Königshaus geadelt. Ob sich noch Spuren von ihm und seinesgleichen finden? Es ranken sich viele Geschichten und Legenden um Piratengestalten jener Zeit (Henry Morgan, Blackbeard ...). Und der Schotte Robert Louis Stevenson, der selber nie Fuß auf eine dieser Inseln setzte, wurde zum berühmtesten Literaten der Virgin Islands. Berichte seines zur See fahrenden Onkels über Norman Island inspirierten ihn zu seinem Roman Die Schatzinsel (1883).
Nach den Piraten erschienen neben den Engländern die Franzosen, die Niederländer, die Dänen, die Schweden auf den Kleinen Antillen, denn sie hatten die Fruchtbarkeit der Böden und des Klimas zur Kenntnis genommen und wollten Tabak, Baumwolle, Gewürz, Kaffee und vor allem Zuckerrohr anbauen, welches enorme Profite versprach. Zucker war damals vor der Gewinnung von Zucker aus der Zuckerrübe das „Karibische Gold“ und wurde in Europa teilweise in Apotheken verkauft.
Um den Besitz der Kleinen Antillen lieferten sich die europäischen Nationen über 250 Jahre hinweg erbitterte Schlachten mit absurden Folgen. „Mit wenigen Ausnahmen waren alle Inseln einem häufigen Besitzerwechsel ausgesetzt und in schneller Abfolge erobert, verwüstet, verkauft, zurückerobert oder in Verträgen an andere abgetreten. Allein St. Lucia musste vor der Unabhängigkeit 14 Mal den „Besitzer“ wechseln, Sint Maarten 16 Mal und Sint Eustatius und Tobago über 30 Mal.“ (Iwanowski´s, Karibik - Kleine Antillen, Dormagen, 2013)
Des weiteren resultierten die Barbarei der Sklaverei aus der Gier nach Reichtum, ebenso wie die zum Teil irreparablen Umweltschäden: Für die großen Plantagen mit Monokulturen von Zuckerrohr usw. wurden in großem Stil Regenwälder abgeholzt und nachdem sie später unprofitabel wurden, verödeten und erodierten ganze Landstriche (z.B. Antigua).
Heute konzentrieren sich die Inseln auf den Ausbau einer anderen „Monokultur“: den Tourismus.

Inzwischen haben wir in der Gun Creek von Virgin Gorda geankert und sehr zügig einklarieren können.
Für 14 Tage, die wir hier herum cruisen wollen, mussten wir 42 US $ bezahlen.

Wir hatten auf dem Törn hierher keinen Wechsel in der Segelstellung, so konstant kam der Wind aus einer Richtung. Es gab des weiteren keinen Regen und kein Auffrischen auf 4 - 5 Bft - wie eigentlich von Windguru vorhergesagt.